Bewertung von Gerlinde S.

Nachdem ich die Kurs-Teilnehmerin Gerlinde S. um ein Feedback gebeten hatte, schrieb Sie mir eine umfangreiche Mail, die ich hier in Auszügen veröffentlichen möchte (Danke für die Zustimmung, Gerlinde!)


Kursteilnehmerin Gerlinde S.
Kursteilnehmerin Gerlinde S.
Bild: privat

Zunächst einmal herzlichen Dank für die täglichen E-Mail-"Besuche", den ganzen Aufwand und die reichhaltigen Infos!

Ich bin wirklich von Deinem Einsatz beeindruckt; Dein Idealismus und Deine persönliche Begeisterung schwingen überall mit und hinter allen Texten spürt man Deine Authentizität. Das ist eine Saat, die wirklich aufgeht, wenn die Teilnehmer den "inneren Boden" hierzu bereitet haben. Es ist wirklich schön, dass Du diese Arbeit machst und ich bin davon überzeugt, dass Du damit jede Menge Positives bewegst (sicher auch schon bewegt hast) und auch noch bewirken wirst.

Ich bin ja seit kurzen in Deinem Forum aktiv und auch dort schwingt eine Herzlichkeit mit, dass man sich tatsächlich familiär aufgehoben fühlt. Wirklich sehr schön und lohnenswert.

Ich möchte mein Feedback zum E-Mail-Coaching möglichst präzise gestalten, hierzu muss ich allerdings meine persönliche Ausgangssituation (bzw. die meiner Familie) mit einbeziehen. Das wird hoffentlich nicht zu lang.

Vier-Personen-Haushalt, Mutter 49, mit 17 Vegetarierin geworden, Vater 58, mit 18 Jahren Vegetarier geworden, Tochter knapp 21, mit 5 Jahren (freiwillig!) Vegetarierin geworden, Sohn, 18, isst alles, braucht zu Hause i.d.R. aber keine "Extra-Wurst".

Bei den Eltern recht ausgeprägtes "Öko-Bewusstsein" (gelegentlich abgefärbt auf die Kinder), Vater Mit-Inhaber eines Fahrradgeschäftes, Mutter Heilpraktikerin ohne eigene Praxis (ich arbeite v.a. als Dozentin für meine Fachrichtungen und gebe Entspannungs- und Yoga-Kurse für Studenten).

Wir leben in der Großstadt Köln in einer autofreien Siedlung und machen praktisch alles mit dem Fahrrad. Mein Mann und ich machen zweimal im Jahr ein mittlerweile 14-tägiges Heilfasten (Wasser/Kräutertee plus etwas Saft), Ernährung ansonsten möglichst vollwertig nach Dr. Bruker, Kochen und Backen mit Leidenschaft i.d.R. von mir durchgeführt.

Stand der Dinge jetzt, nach dem E-Mail-Coaching:

Mein Mann hat nur in der ersten Woche gelegentlich "seinen" Gouda vermisst, seitdem war keine Rede mehr von Dingen, die ihm fehlen.

Bei mir: Ich frage mich die ganze Zeit, warum ich solange gebraucht habe, die Umstellung zur Veganerin zu vollziehen!!! (Gleich noch ein paar Erkenntnisse, was mich wohl gehemmt hatte)

Unsere Kinder: Sie sollten auf unserem Familien-Einkaufszettel vermerken, welche tierischen Produkte sie sich wünschen – bislang gab es keine Notiz. In der ersten Woche hat sich unser Sohn 2x eine selbst gekaufte Pizza gemacht, unsere Tochter eine Art Käse-Salat. Dann fuhr sie weg, keiner sonst aß den Salat und nach drei Tagen, als sie wiederkam war er wohl schlecht. Seitdem hat sie einfach alles gegessen, was wir inzwischen so haben. Es gibt immer noch angebrochenenKäse im Kühlschrank, den isst aber keiner. Und Butter im Eisschrank – die werden wir wohl an die Nachbarn verschenken. Verblüffend!

[...]

1. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein Mann mitziehen würde und wollte nicht ständig für mich ein "Extra" kochen/zubereiten.

2. Ich habe in vielen Rezepten viel Butter und auch recht viel Käse verwendet und quasi ausschließlich mit Honig gesüßt, Eier eher zum Binden verwendet – ich konnte mir nicht vorstellen, "ohne" lecker zu kochen.

3. Ich konnte mir nicht vorstellen, VOLLWERTIG mit VEGAN zu vereinen. (Man muss zwar gelegentlich Kompromisse eingehen, aber es geht besser als ich dachte.)

4. Ich hatte gewisse Hemmungen, meine Herkunftsfamilie, die omnivor und zugleich sehr ungesund lebt, mit einer neuen "Macke" zu konfrontieren.

5. Ich habe bestimmte Dinge bezüglich der Milch- und Eierproduktion nicht gewusst, mich aber auch nicht so genau damit beschäftigt (Verdrängung, genaues Hinsehen hätte Konsequenzen erfordert!)

Folgendes war neu für mich: Ich wusste nicht, dass jährlich um die 60 Mio. Männliche Küken geschreddert/vergast werden. (Das Töten der Küken war mir aber ein Begriff – leider verdrängt!)

Ich wusste nicht, dass Milchkühe nicht nur einmal, sondern jährlich ein Kalb bekommen, das ihnen gleich weggenommen wird. Ich wusste nicht, dass die Kälber so erbärmlich behandelt werden, isoliert in Miniboxen, fehlernährt, zu viel Nahrung auf einmal an zu wenigen Mahlzeiten, oft ohne Tageslicht, kaum überlebensfähig bis zu ihrem überfrühen Schlachttermin.

Ich wusste nicht, dass Milchkühe nur 4 -5 Jahre alt werden dürfen (sonst 20 – 30 Jahre), dass so viele Tiere beim Schlachten (Zerteilen) noch leben! Dass so unglaublich viele Tiere in so kurzer Zeit geschlachtet werden, dass die bemitleidenswerten Menschen, die diese Arbeit verrichten, ihre eigenen übelsten Schattenseiten an den Tieren auslassen und sie oft noch zusätzlich quälen, damit alles glatt und schnell abläuft. Dass dies keinen der Verantwortlichen kümmert. Dass Bio im Schlachthof aufhört. Dass Bio-Hühner nur so kurz leben dürfen. Dass so viele auch in "Freilandhaltung" zusammen gepfercht sind, dass sie diese überhaupt nicht nutzen können/wollen und daher Freilandhaltung kaum besser als Bodenhaltung ist. Dass sie zwar mit Bio-Futter ernährt werden, damit aber eigentlich unterversorgt sind, das es sich um die gleichen "Turbo-Legehennen" handelt wie sonst auch, die ohne Zusätze im Futter kaum klar kommen. Ich habe sicher noch einiges an menschengemachtem Tiergrauen nicht erwähnt, aber genau das Wissen dieser Tatsachen macht mir unmöglich, jemals rückfällig zu werden.

Ich bin extrem tierlieb, habe als Kind auch Freundschaft mit Kühen, Schweinen und Hühnern auf dem benachbarten Bauernhof geschlossen und muss mich immer mit Tieren umgeben, um mich wohl zu fühlen. Habe einen sehr direkten "Draht" zu Tieren, das ist gegenseitig.

Zu unserer Kernfamilie gehört – neben uns Menschen - eine Hündin, ein Kater und vier Vögel, die immer Freiflug haben und in der Küche ihren Unfug treiben.

Beim letzten Heilfasten kristallisierte sich für mich heraus, dass ich vegan werden wollte, ich dachte aber daran, diesen Schritt allmählich zu vollziehen, in der Hoffnung, vielleicht auch meinen Mann für diese Richtung zu gewinnen, indem ich immer öfter was leckeres Veganes servieren würde.

Dann schlug er mir überraschend vor, wir sollten doch lieber das Fasten für einen klaren Umstieg nutzen – schließlich schmeckt nach dem Fasten erst mal alles lecker!

Ich brachte Argumente, was es dann nicht mehr gäbe, was er womöglich vermissen würde, das mache ihm aber nichts aus, meinte er.

Das brachte mich natürlich erst recht in Schwung und ich habe sämtliche Vorräte durchforstet und vegan aufgestockt.

Sorry, das ich so viel darüber schreibe, aber aus dieser Grundsituation heraus war meine Umstellung im Grunde gelaufen und alles, was ich weiterhin über Veganismus las, hat mich bestärkt – wankelmütig war ich aber nicht!

Einige Empfehlungen von Dir ganz zu Anfang waren für mich dann nicht mehr nötig oder überflüssig, weil ich einfach schon drei Schritte weiter war und ich war gelegentlich versucht, Deine Texte zu überlesen. Hab ich aber nicht, war auch gut so, denn ich habe immer noch was Neues zwischendurch für mich entdeckt, was mir wichtig war.

Ich bin übrigens eine echte Lusche, was Internet, Foren, etwas hier verschicken etc. angeht (hast Du ja schon gemerkt), hab hier noch nicht viel Erfahrung. So bin ich – ohne zu checken, dass Du die gesamten Texte häppchenweise beim E-Mail-Coaching verschickst, in Deinem Gesamttext gelandet. Habe alle in einem Aufwasch gehört (übrigens, sehr angenehm, Deine Stimme, sehr sympathisch und auch das Tempo war optimal), später dann alles schriftlich entdeckt, überflogen und mir Neues noch mal genau angesehen und dann noch alles übrige Verfügbare (Interviews und Rezepte) runtergeladen und die Rezepte ausgedruckt und abgeheftet. (So war das wohl nicht gemeint ;)!)

War trotzdem richtig für mich an diesem Wochenende. Und es war trotzdem erfreulich, täglich von Dir eine E-Mail zu bekommen und das Ganze aufzufrischen.

Ich habe in der letzten Zeit sehr viel im Internet gelesen über Veganismus und werfe manchmal durcheinander, woher ich die Infos habe. Zuerst habe ich über die Albert-Schweitzer-Stiftung jede Menge erfahren, hierüber bin ich auch – glaube ich – zu Deinem Forum gestoßen. Hier gibt es ja auch im Magazin jede Menge zu lesen. Vor Deinem E-Mail-Coaching habe ich eine vegane Woche, genauer: "Vegan Taste Week" gemacht (war glaub ich auch von der Albert-Schweitzer-Stiftung), da gab´s auch jeden Tag Anregungen und Rezepte.

War auch sehr nett, Dein E-Mail-Coaching finde ich aber letzten Endes persönlicher, konkreter, direkter, lag mir einfach mehr. Du hast auch einige Punkte erwähnt, die ich vorher nirgendwo gelesen hatte und die mir einfach gut getan haben, seien es die Empfehlungen, nicht 100%ig sein zu müssen oder einige wirklich gute Argumente gegen die üblichen blöden "Anmachen", z.B. dass Veganer nicht extrem seien, sondern die Massentierhaltung, und dass man deshalb hieraus aussteigen würde.

Es wurde mir auch sehr deutlich bewusst, wie recht Du mit Deiner Auffassung hast, dass vegan sein nichts mit Verzicht zu tun hat. In welcher Nahrungsfülle wir doch leben!

Sehr gut haben mir auch einige prägnante Beispiele in der Umweltargumentation für Veganismus gefallen, wie zum Beispiel die 15.500 Liter Wasser, die man für die Erzeugung von einem Kilo Rindfleisch braucht (und Bade- und Duschzahlen). So was finde ich sehr anschaulich, das kann ich mir gut merken, samt Zahlen und argumentiere auch gern damit, wenn mich einer fragt, der´s hören will. ;)

Gut gefallen hat mir auch Deine Argumentation beim Vitamin B12, inwiefern man eine "natürliche" Lebensweise nicht unbedingt 100%ig vertreten muss. Tatsächlich, wir leben unnatürlich, in Kleidung, waschen unsere Haare mit Shampoo, haben aber auch die wunderbare Möglichkeit, "naturnahe" (aber tier-quälende) Lederschuhe gegen bunte synthetische Turnschuhe auszutauschen! Das "Unnatürliche" scheint beim Veganismus eher unangenehm aufzufallen, da es die verdrängte Schattenseite der Fleischesser berührt.

Beim Thema Outen, dass man Veganer ist, fand ich Deinen Hinweis, dass man sich nicht rechtfertigen muss und auch nicht diskutieren muss (und auch nicht alles wissen muss!!) geradezu erleichternd! Genau!! Und man kann wirklich Interessierte einfach auf das Internet verweisen. Schade, dass ich da von selbst nicht drauf gekommen bin! Umso schöner, dass es in Deinem Text den Veganern zugänglich wird!!!

Folgende Idee kannst Du vielleicht in Deinem Vegan-Kurs noch verwerten:

Ich habe am 14. (also letzten) Fastentag (bevor ich durch das Fastenbrechen am nächsten Tag ins Vegan-Sein aufbrach) in einer Entspannungsübung ein Ritual gemacht. Hierbei habe ich mich bei allen Tieren innerlich bedankt, deren Produkte ich all die Jahre konsumiert hatte. Anschließend habe ich sie um Verzeihung gebeten, für all das Leid, das ich ihnen (wenn auch zum Teil nicht bewusst) hierdurch zugefügt habe. Anschließend habe ich mir alle Speisen mit Eiern und Milchprodukten, die ich bis dato gerne konsumiert habe, einzeln vorgestellt, mich davon verabschiedet und mich innerlich auf etwas Neues eingestellt (wobei ich noch nicht genau wusste, auf was im Speziellen). Dann erschien, ganz von selbst, das Bild eines Strandes, an dem ich (mit meinem Mann) saß, an dem wir einen Sonnenaufgang betrachteten.

Vielleicht kannst Du Aspekte hiervon in Dein Programm einbauen, der ein oder andere, der lieber in einem Schritt vegan wird, könnte von so einem (oder einem ähnlichen) Ritual sicher auch profitieren.

[...]

Ganz herzliche Grüße und für Dich weiterhin viel Motivation und Power, andere "Noch-Nicht-Veganer" zu inspirieren!